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Sebastian Brant (1457–1521) – zum 500sten Todestag am 10. Mai 1521 Litteratur im Kunsthaus Rietberg II


Kursnummer O2EB902
Beginn Mi., 12.05.2021, 19:15 - 21:30 Uhr
Kursgebühr 8,00 €
Dauer 1 Termin
Kursleitung Dr. Rüdiger Krüger
Bemerkungen Schreibzeug (Papier, Schreibmaterialien) für Notizen während der Veranstaltung;
in der vhs.cloud unter MATERIALIEN/Dateiablage finden Sie Materialien zum rein privaten Gebrauch; diese können Sie nach Freischaltung Ihres Zugangs herunterladen.
Kursort vhs.cloud, digitales Angebot
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Brant, Sebastian, lat. Titio, 1457 Straßburg – 10.5.1521 Straßburg, deutscher Jurist und Dichter. B. ging 1475 zum Studium nach Basel, erlangte dort 1477 das Baccalaureat der Freien Künste, wurde 1483 oder 1484 Lizentiat der Rechte und lehrte an der Artisten- und Juristenfakultät. 1489 zum Dr. iur. utr. promoviert, bekleidete er seit 1496 eine besoldete Professur für beide Rechte. Daneben wirkte er als praktizierender Jurist. 1500 übersiedelte er nach Straßburg. Dort war er zunächst Syndikus, ab 1503 bis zu seinem Tode Stadtschreiber und somit »Erzkanzler« Straßburgs. In diesem Amt erwarb er sich Verdienste namentlich um die diplomat. und jurist. Repräsentation seiner Stadt, um die Neuordnung des Ratsarchivs sowie um die Begründung einer Armenfürsorge. B. wurde kurfürstl.-mainz. Rat. Kaiser Maximilian I. ernannte ihn zum kaiserl. Rat, zum Beisitzer des kaiserl. Hofgerichtes in Speyer und machte ihn zum Pfalzgrafen. B. gehörte zu den führenden Vertretern des Renaissancehumanismus im oberrhein. Gebiet. Der Scholastiker J. Heynlin von Stein und ein Kreis von Persönlichkeiten, die diesem ideell nahestanden, wie J. Geiler von Kaisersberg, J. Trithemius und J. Wimpfeling, haben ihn in Basel nachhaltig geistig beeinflußt. Da B. die Sitten im Verfall glaubte, strebte er danach, die Zeitgenossen mittels Belehrung zur Selbsterkenntnis und darüber hinaus zu moral. Besserung zu führen. Er beförderte das Studium der latein. und griech. Sprache sowie die Beschäftigung mit der antiken Literatur. Zutiefst religiös, hoffte er auf eine Reform der kathol. Kirche von innen her. Zu seinen polit. Zielen gehörten die Festigung der Zentralgewalt im Reich und die Hegemonie Deutschlands in Europa. Breiten Raum in B.s Lebenswerk umfaßte die Herausgabe gängiger wissenschaftl., literar. und religiöser Texte. Er edierte u.a. das »Decretum Gratiani« (1493) – ein Kompendium des kanon. Rechts –, Boethius' »De consolatione Philosophiae« (1501), Vergils »Aeneis« (1502), diese mit kulturgeschichtlich bedeutenden Holzschnitt-Illustrationen ausgestattet, und »Der heiligen leben niuw« (1502); außerdem gab er deutschsprachige Rechtsliteratur zum Druck, so den »Layenspiegel« Ulrich Tenglers (1509) und den anonymen »Richterl. Klagspiegel« (1516), und ließ Freidanks Spruchsammlung »Bescheidenheit« in eigener Bearbeitung erscheinen (1508). Neben dem Holzschnitt stellte B. auch die neuartige publizist. Form der Flugschrift in den Dienst seiner polit. und moraldidakt. Bestrebungen. Durch Übertragungen aus dem Lateinischen suchte er vor allem moralisierende und religiöse Werke breiten Rezipientenkreisen nahezubringen, z.B. die Gnomensammlung »Disticha Catonis« (1498; Sentenzen Catos) und das Gebetbuch »Hortulus animae« (1502; Seelengärtlein). Daneben verfaßte er geistl. und weltl. latein. Dichtungen: »Varia carmina« (1498; Gedichte vermischten Inhalts). B.s literar. Hauptwerk »Das Narrenschiff« (1494) steht in der Tradition der röm. Satire. In vierhebigen, paarweise gereimten Versen abgefaßt und nach Kapiteln gegliedert, schildert es kritisch zeitgenöss. Erscheinungsformen moral. Fehlverhaltens, denn dieses begriff B. als »Narrheit«. Das Opus ist sorgfältig und detailliert gemäß den Regeln der antiken Rhetorik komponiert. Die Holzschnitte der Erstausgabe stammten zum größten Teil von A. Dürer. J. Locher übertrug die Dichtung in das Lateinische (»Stultifera navis«; 1497) und schuf damit die Textgrundlage für zahlreiche Übertragungen in europäische Volkssprachen. J. Geiler von Kaisersberg predigte 1498/99 in Straßburg über die einzelnen Kapitel des »Narrenschiffs«.
RK
Brant.. In: Lexikon der Renaissance. Leipzig 1989, S. 112 ff.

Anmeldeschluss: 12.05.2021, 16.00 Uhr

Anmeldungen und nähere Informationen unter www.vhs-re.de, 05242 90 30-139 oder aleksandra.matuszak@vhs-re.de




Datum
12.05.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
vhs.cloud, digitales Angebot


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