Kultur, Gestalten
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Litterarische Mittwochsgesellschaft Deutsche Literatur während der Naziherrschaft 1930/33-1945


Kursnummer O2EA100
Beginn Mi., 10.03.2021, 19:15 - 21:30 Uhr
Kursgebühr 40,00 €
Dauer 5 Termine
Kursleitung Dr. Rüdiger Krüger
Bemerkungen Schreibzeug (Papier, Schreibmaterialien);
Literatur - sofern vorhanden
Kursort Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek
Kirchplatz 2, 33378 Rheda-Wiedenbrück
Kurt Tucholsky

Berliner Ballberichte

„Die Gräfin betrat im Glanze ihres Glasauges den Saal.“
Mark Twain

[…]
Alpenball des Pen-Klubs

Ein entzückender Kostümball vereinte gestern Literatur, Kunst, Wissenschaft und die verwandten Industrien bei Kroll. Man tanzte nach den Kapellen Etté und Rowohlt und sah eine Fülle bezaubernder Kostüme an sich vorbeiziehen:
Walter von Molo als Dichter; Arnolt Bronnen als Original-Faschist mit ziemlich schwarzem Hemd und rituellem Monokel; Gerhart Hauptmann in einer vorzüglichen Maske als alter Gerhart Hauptmann; aus Paris zwei Damen: die Colette und Germaine André, und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als Ernst Jünger und Kaplan Fahsel einen reizenden Philosophieplattler vorführten. Die Behäbigkeit und Stämmigkeit unsrer Börsenmakler brachte die echten tiroler Kostüme erst voll zur Geltung, ein Beweis, daß Natürlichkeit das Hübscheste ist und bleibt. Zum Schluß des Abends trat in der Kaffeepause, stürmisch akklamiert, Galsworthy für die deutsch-französisch-englische Verständigung ein, womit sie ja nun wohl Tatsache sein dürfte. Die anwesenden Dichter gelobten, im Frieden Pazifisten zu sein und zu bleiben. Die moderne Literatur hat mit dieser Veranstaltung, der die Spitzen der Behörden und ein Kranz schöner Frauen beiwohnten, bewiesen, daß sie nun endlich repräsentativ geworden ist, ja wir dürfen getrost sagen: nichts als das.
[…]

Kaspar Hauser in: Die Weltbühne, 28.01.1930, Nr. 5, S. 173,


Völkisch-konservative und nationalsozialistische Literatur

Faschistische Kulturpolitik und Literaturlenkung
[...]
Einflußreichste literaturpolitische Institution im »Dritten Reich« war jedoch die mit der Abteilung VIII des Propagandaministeriums eng verbundene »Reichsschrifttumskammer« (RSK), eine im Dezember 1933 gegründete quasi-berufsständische Organisation antiliberaler Orientierung, welche die Lenkung aller in Deutschland literarisch Tätigen betrieb. Die Mitgliedschaft in dieser Unterorganisation der »Reichskulturkammer« war unabdingbare Voraussetzung für jede schriftstellerische Praxis. Mittels der RSK wurde der Autor zwangsweise in das faschistische System integriert: dem neuen Staat ging es, wie Goebbels in den Grundgedanken für die Errichtung der Reichskulturkammer schrieb, darum, den Künstler »in seinem Schaffen, seinem Lebensinhalt und Lebenssinn, als wirkende Persönlichkeit« (zit. n. Brenner, 56) zu erfassen. Die Begründung des Kulturkammergesetzes erkannte dem Staat das Recht der »Überwachung und Betreuung« jeglicher privaten Berufsausübung zu (Strothmann, 27). Die Autoren mußten »arische Gutachten« vorweisen und sich schriftlich verpflichten, dem Staat zu dienen. Die Mittel des Meldezwangs, des Verbotes und des existenzbedrohenden Ausschlusses erlaubten im Prinzip die Unterdrückung aller unerwünschten Literatur. Im Jahre 1941 hatte die RSK, welche alle an der Herstellung und Verteilung von Literatur beteiligten Berufsgruppen umfaßte, rund 35000 Mitglieder; darunter waren 5000 Schriftsteller (ebd., 29). Zu den namhaften Autoren, die zwischen 1933 und 1945 von Sanktionen betroffen wurden, gehörten Gottfried Benn (1936 Schreibverbot), Werner Bergengruen (1937 Ausschluß aus der RSK), Jochen Klepper (1937 Ausschluß aus der RSK), Elisabeth Langgässer (1936 Schreibverbot), Reinhold Schneider (1941 Druckverbot), Rudolf Alexander Schröder (1941 Vertragsverbot) und Ernst Wiechert (1938 KZ-Haft).
Den vielfachen Maßnahmen zur Unterdrückung unerwünschter Dichtung entsprachen die gigantischen Anstrengungen zur Förderung völkischer und nationalsozialistischer Literatur (Strothmann, 81-128; 217-258). Über 100 periodische Literaturpreise, eine Fülle von Preisausschreiben, Abertausende von Autorenlesungen – vom 1. 1. 1936 bis zum 26. 3. 1936 veranstaltete allein die NS-Kulturgemeinde Rosenbergs 489 Lesungen in 255 Städten (Strothmann, 105) –, einschlägige Großveranstaltungen (»Woche des deutschen Buches«, seit 1934; »Weimarer Dichtertage«, 1938-1942), ferner »Weiße Listen«, parteiamtliche Förderungskataloge und ein ausgebautes Rezensionswesen dienten höchst erfolgreich der Empfehlung und Verbreitung ideologisch genehmen ›Schrifttums‹. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Rolle, welche die zahlreichen parteieigenen Verlage, besonders der Eher-Verlag (München, Berlin, Wien) gespielt haben.
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Literatur im 'Dritten Reich' (Erwin Rotermund und Heidrun Ehrke-Rotermund). In: Zmegac u.a. Hgg: Geschichte der deutschen Literatur, Bd. III, S. 323 ff.) (c) Beltz Athenäum Verlag


Literarische Innere Emigration und literarischer Widerstand
Probleme der verdeckten Schreibweise
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Die kulturellen Lenkungsstellen des Nationalsozialismus strebten mittels ihrer massiven Förderungs- und Unterdrückungsmaßnahmen das Kommunikationsmonopol im literarischen Leben des ›Dritten Reiches‹ an. Auf die damit gegebenen repressiven Publikations- und Distributionsbedingungen mußte sich alle abweichlerisch oder oppositionell gesinnte Literatur einstellen. Um den offiziellen Sanktionen auszuweichen und den noch verbliebenen Kommunikationsspielraum auszunutzen, entwickelte man die verschiedensten Formen der »verdeckten Schreibweise« (Dolf Sternberger). Es ging darum, bestimmten Zielgruppen abweichende, unorthodoxe oder kritische Aussagen zu übermitteln, anderen Lesergruppen aber, zumal den Lektoren in den staatlichen Kontrollinstitutionen, zugleich die ›eigentliche‹ Bedeutung dieser Aussagen vorzuenthalten. Die Texte mußten in gleicher Weise »dem Anspruch der Eindeutigkeit wie dem der Zwei- und Mehrdeutigkeit genügen« (Schnell, 1976, 14). Mit seinem Traktat Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit, der in Deutschland als Tarnschrift verbreitet war, hat Bertolt Brecht bereits 1934 eine Art von Anweisungspoetik vorgelegt, in der die wichtigsten Methoden zur Täuschung des »argwöhnischen Staates« anschaulich beschrieben sind: Brecht empfiehlt unter Hinweis auf Konfuzius eine kritische Synonymik, die geschichtlich-gesellschaftliche Sachverhalte in ein anderes Licht rücken kann (»Bevölkerung« statt »Volk«), gewisse Verfahrensweisen der Ironie (Shakespeare, Swift), Techniken der geographisch-historischen Analogisierung bzw. Allegorisierung, ferner das »hohe literarische Niveau einer Aussage« und dessen Gegenteil, die bewußte Niveausenkung (Kriminalroman).
In der praktischen Realisierung erreichten diese und andere Verfahren der Tarnung oft einen relativ hohen Grad an Komplexität und »Verschiedenverstehbarkeit«, wodurch ein starker Unsicherheitsfaktor in den beabsichtigten Kommunikationsprozeß hineinkam. Die vom Autor gewählten Techniken der Verhüllung konnten den esoterischen Sinn der Aussage für alle Rezipienten verunklären, obgleich dieser nur für die Anhänger des Regimes unverständlich oder unerkennbar gemacht werden sollte. Bis heute ist deshalb die Interpretation einiger Werke der nichtfaschistischen Literatur kontrovers geblieben.
[...]
Literatur im 'Dritten Reich' (Erwin Rotermund und Heidrun Ehrke-Rotermund). In: Zmegac u.a. Hgg: Geschichte der deutschen Literatur, Bd. III, S. 355 ff. (c) Beltz Athenäum Verlag.

Gebühr für die Präsenz-Reihe: € 40,00

Anmeldungen und nähere Informationen unter www.vhs-re.de, 05242 90 30-139 oder aleksandra.matuszak@vhs-re.de




Datum
10.03.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
Kirchplatz 2, Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek
Datum
14.04.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
Kirchplatz 2, Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek
Datum
26.05.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
Kirchplatz 2, Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek
Datum
23.06.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
Kirchplatz 2, Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek
Datum
14.07.2021
Uhrzeit
19:15 - 21:30 Uhr
Ort
Kirchplatz 2, Stadtbibliothek Wiedenbrück, Kinderbibliothek


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