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Litterarische Mittwochsgesellschaft I Gryphius Vater und Sohn
Litterarische Mittwochsgesellschaft I Gryphius Vater und Sohn

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Kursnummer:
I2EA101
Kursstatus:
Der Kurs ist abgelaufen

Andreas Gryphius (1616-1664), der in den Dreißigjährigen Krieg hinein aufwuchs, und sein unmittelbar nach den Westfälischen Frieden geborener Sohn Christian (1649-1706) sind ein literarisch ungleihces Paar. Wo der Vater wohl zu seinen Lebzeiten als deutscher Shakespeare bezeichnet werden darf und die Barockliteratur in Lyrik wie Drama nachhaltig geprägt hat - der Beiname "Der Unsterbliche", mit dem er 1662 in die fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen wird, ist hierfür bezeichnend -, ist der Sohn ein zwar begabter Lyriker und wirkt eher ruhig als berühmter Professor für Griechisch und Latein an Gymnasien in Breslau. Er schreibt gelehrte Werke, Schuldramen und ist als Herausgeber von Barockdichtung - auch seines Vaters - tätig. Dem Vater, der uns rund unter anderem 500 sprachgewaltige Sonette überlieferet hat, setzt er ein mit dieser damals hochmoderne Form virtuos spielendes Besispiel entgegen:

Ungereimtes Sonnett

Ob gleich Cloridalis auf ihre Marmor-Kugeln,
Die, wie ein ieder sagt, der Himmel selbst gewölbt,
Und auf ihr Angesicht, das Sternen gleichet, trozt,
Ob schon, wie sie vermeynt, des Paris goldner Apfel

Vor sie allein gemacht, ob gleich viel altes Silber
In ihrem Kasten ruht, doch ists ein eitler Wurf,
Den sie nach mir gethan; ich bin gleichwie ein Felß,
Und lieb ein kluges Buch mehr als der Venus Gürtel.

Die Liebe reimet sich so wenig mit Minerven,
Als eine Sterbe-Kunst zu Karten und zu Würffeln,
Das Braut-Bett in die Gruft, Schalmeyen zu der Orgel,

Ein Mägdchen und ein Greiß, als Pferde zu den Eseln,
Als Meßing zum Smaragd, als Rosen zu den Disteln,
Als diese Verse selbst, ja fast noch weniger.

Demgegenüber das schöne Geburtssonett Andreas Gryphius' auf sienen Ältesten:

Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani

Willkommen süsses Kind/ der Mutter höchste Lust/
Doch die sich schier mit beyder Tod erkäufft/
Willkommen Kind/ das/ weil die Nacht umläufft/
Mit neuer Freud erquickt des Vatern trübe Brust:

Wie? gleich um Mitternacht/ ist dir denn nicht bewust
Was Mitternacht/ in der nur Furcht sich häufft:
Und Wahn in Angst/ und Angst in Weh sich täufft:
Wie? daß du denn gleich itzt das Leben grüssen must.

Diß ist der Engel Fest/ die offt bey Nacht erschienen/
Die führen dich ins Licht/ mit diesen solst du dienen/
Dem/ welcher dich aus Nacht hat in den Tag gebracht/

Die Engel kommen mit! O daß sie dich begleiten!
O daß sie durch die Welt/ durch die gesetzten Zeiten/
Dich führen wo ihr Heer um deinen Schöpffer wacht.

Termin:
Mi. 28.02.2018
Dauer:
1 Termin
Uhrzeit:
19:15 - 21:30 Uhr
Dozent(en):
Kursort(e):
  • Stadtbibliothek Wiedenbrück, Lesecafé
    Kirchplatz 2
    33378 Rheda-Wiedenbrück
Kosten:
8,00 € (8,00 €)
Material:
Schreibzeug (Papier, Schreibmaterialien);
Literatur - sofern vorhanden

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