Warenkorb:  Ihr Warenkorb enthält 0 Kurse
Sie sind hier: 
Litteratur im Kunsthaus Rietberg I 70. Todestag von Wolfgang Borchert (1947)
Litteratur im Kunsthaus Rietberg I 70. Todestag von Wolfgang Borchert (1947)

Keine Anmeldung möglich

Kursnummer:
H2EB201
Kursstatus:
Keine Buchungsoption

Wolfgang Borchert starb am 20. November 1947 im Clara-Spital in Basel, ein Tag später kam sein Hörspiel "Draußen vor der Tür" in Hamburg zum erstenmal auf die Bühne. Es ist verwandt mit den pazifistischen Mitleids- und Schreidramen des Ersten Weltkriegs und ohne Nachfolge geblieben: der allerletzte Nachhall des Expressionismus. Wenn es noch nach Jahrzehnten lebendig ist, so wohl vor allem deshalb, weil seine artifiziellen Lyrismen immer wieder durchstoßen werden von einer Realität, die der Autor genau gekannt hat. Am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren, ist er nach seinem ersten Engagement als Schauspieler 1941 zu den Panzergrenadieren eingezogen und nach Rußland an die Ostfront kommandiert worden. Als Gegner des nationalsozialistischen Regimes wurde er mehrfach verhaftet und zu Gefängnis verurteilt. "Draußen vor der Tür" ist die Ausgangsposition einer ganzen Generation, die sich 1945 am Nullpunkt befunden hat.

Draußen vor der Tür. "Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will". 1946. Als Hörspiel am 13. Februar 1947 im Nordwestdeutschen Rundfunk, Hamburg. Uraufführung 21. November 1947, Kammerspiele Hamburg. – Der 25 Jahre alte Unteroffizier Beckmann kommt 1947 aus russischer Gefangenschaft nach Hause. Er trägt eine Gasmaskenbrille, hat Hunger und ein steifes Bein. Seine Frau hat sich einen Freund genommen, sein kleiner Sohn liegt tot unterm Trümmerschutt. Er ist müde und lebensmüde. In seinem Selbstmordtraum wirft ihn die als alte Frau personifizierte Elbe zurück an den Strand. Ein "Mädchen" nimmt ihn mit, doch ihr seit drei Jahren vermißter Mann kommt nach Hause - ein Durchhaltebefehl Beckmanns in Rußland ist schuld daran, daß der Mann nur noch ein Bein besitzt. Der Oberst, dem Beckmann »die Verantwortung zurückgeben« will, lacht ihn aus. Ein Kabarettdirektor ist zu feige, Beckmanns Ernst und Pazifismus dem Publikum anzubieten. Beckmanns Eltern - der Vater war ein denunzierender Antisemit - haben sich mit Gas vergiftet. Beckmann fällt abermals in einen Selbstmordtraum: Er klagt Gott an, diesen ohnmächtigen alten Mann, an den niemand mehr glaubt; er ist schuldig geworden am Tod des Einbeinigen, der in die Elbe gegangen ist, weil er Beckmann bei seiner Frau gefunden hat; die Stimme des »Anderen«, des anderen Beckmann, der zum Leben verführen will, ist verstummt; nur noch Beckmann klagt mit antwortlosen Fragen: »Wo ist denn der alte Mann, der sich Gott nennt? Warum redet er denn nicht! Gebt Antwort! Warum schweigt ihr denn? Warum? Gibt keiner Antwort? Gibt denn keiner, keiner Antwort???«

Georg Hensel: Spielplan, Bd. 2, S. 1575 ff.(Digitale Bibliothek 165, Berlin 2007).

Termin:
Mi. 22.11.2017
Dauer:
1 Termin
Uhrzeit:
19:15 - 21:30 Uhr
Dozent(en):
Kursort(e):
  • Kunsthaus Rietberg - Museum Wilfried Koch, Deele
    Emsstr. 10
    33397 Rietberg
Kosten:
8,00 € (8,00 €)
Material:
Schreibzeug (Papier, Schreibmaterialien);
Literatur - sofern vorhanden

© VHS Reckenberg-Ems 2013