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Litterarische Mittwochsgesellschaft III Ferdinand von Saar (1833 - 1906)
Litterarische Mittwochsgesellschaft III Ferdinand von Saar (1833 - 1906)

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Kursnummer:
H2EA103
Kursstatus:
Der Kurs ist abgelaufen

Als österreichisches Pendant zur sozialen Romankunst Theodor Fontanes, die ein Bild der zeitgenössischen Gesellschaft Preußens vermittelt, gilt das erzählende Werk Ferdinand von Saars (1833-1906). »Jede meiner Novellen ist ein Stück österreichischer Zeitgeschichte«, stellt er selbst ausdrücklich fest. Was Fontane besonders in seiner Erzählung Schach von Wuthenow überzeugend dargestellt hat: die zeitgeschichtliche Symptomatik eines individuell-menschlichen Falles, das ist auch das Leitthema von Saars Novellen aus Österreich (1877, 1897), die, wie auch die meisten übrigen Werke, in einem Heidelberger Verlag erschienen. Psychologische Analyse der Figuren und Zeitdiagnose durchdringen sich, nur daß die epische Welt des Österreichers viel melancholischer gefärbt ist als jene des Preußen. In jeder seiner positiven Adelsfiguren spiegelt Saar ein Stück des habsburgischen Mythos vom würdevollen Untergang der Donaumonarchie, als dessen legendärer Inbegriff den Zeitgenossen der asketische, pflichtbewußte Kaiser Franz Josef erschien (Magris, 194). Ein anschauliches Beispiel für Saars Erzählkunst ist die Novelle Schloß Kostenitz (1893), die der Autor für sein bestes erzählerisches Werk hielt. Adeliges Einzelschicksal und historische Entwicklung des Habsburgerreiches sind hier aufs engste miteinander verknüpft. Freiherr von Günthersheim, der sich nach der 48er Revolution auf seinen Familienbesitz Schloß Kostenitz zurückgezogen hat, bricht tot zusammen, als er die Nachricht der Niederlage von Magenta liest, bei der auch der einstige Verführer seiner inzwischen verstorbenen Frau gefallen ist. 1866 zieht ein preußischer General in Schloß Kostenitz ein; und gegen Ende des Jahrhunderts findet das Anwesen einen neuen Besitzer aus der aufgestiegenen Klasse der renommierenden Großbourgeoisie, der die Einrichtung des Schlosses als »Wahrzeichen einer engbrüstigen und geschmacklosen Vergangenheit« zerstören läßt.
Wo Ferdinand von Saar seine gewohnte Umgebung, das Schloß, den Salon und den Park, verläßt, um die proletarische Arbeitswelt einzubeziehen, wie in der Novelle Die Steinklopfer (1874), biegt er den gesellschaftskritischen Ansatz in eine sentimental verklärte Idylle um. Das »harte Los« der Steinklopfer, »dieser Parias der Gesellschaft, die unsere Dome und Paläste, unsere Unterrichtsanstalten und Kunstinstitute bauen«, wird - gemäß den ausdrücklichen Intentionen des Ich-Erzählers - nicht als gesellschaftsbedingt, nicht als Resultat der Klassengegensätze vorgeführt, sondern erscheint - im Sinne Schopenhauers und Eduard von Hartmanns - nur als Teil eben jenes Leides, das die ganze Menschheit zu ertragen hat. Es geht darum »zu zeigen, wie Leid und Lust jedes Menschenherz bewegen und daß sich überall im kleinen abspielt die große Tragödie der Welt«.

Smegac: Geschichte der deutschen Literatur: Vorindustrieller Realismus und Literatur der Gründerzeit (Dietmar Goltschnigg). (vgl. Zmegac-GddL Bd. II, S. 75 ff.) © Beltz Athenäum Verlag.

Termin:
Mi. 08.11.2017
Dauer:
1 Termin
Uhrzeit:
19:15 - 21:30 Uhr
Dozent(en):
Kursort(e):
  • Stadtbibliothek Wiedenbrück, Lesecafé
    Kirchplatz 2
    33378 Rheda-Wiedenbrück
Kosten:
8,00 € (8,00 €)
Material:
Schreibzeug (Papier, Schreibmaterialien);
Literatur - sofern vorhanden

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